News aus der Thoraxchirurgie

(WAZ 29.2.2008) Duisburg
Tumoroperation per Kamera und mit Miniwerkzeugen
Thoraxchirurgen am Evangelischen- und Johanniter-Klinikum Niederrhein haben zum ersten Mal eine Tumoroperation per Kamera und mit Miniwerkzeugen durchgeführt. „Es ist aber die Ausnahme“, sagt Prof. Andreas Granetzny

Bei Lungenkrebs ist zumeist eine Entfernung des befallenen Lungenlappens oder der betroffenen Lunge erforderlich. Traditionell erfolgt die technisch anspruchsvolle „thoraxchirurgische Operation” über einen „offenen” Zugang. Das bedeutet, dass die Eröffnung des Brustkorbs über einen ca. 12 bis 15 cm langen Schnitt am seitlichen Brustkorb erfolgen muss. Das Ev. Krankenhaus Duisburg-Nord hat jetzt eine neue Methode erstmals erfolgreich angewandt: Die so genannte minimal-invasive Thoraxchirurgie. Sie kommt in dem Hospital bereits seit sechs Jahren bei gutartigen Erkrankungen der Lunge und des Brustfells zur Anwendung und wurde bereits bei mehreren hundert Patienten durchgeführt.

Beim Lungenkrebs allerdings gab es bisher Bedenken bezüglich der „Schlüssellochchirurgie”. Bedenken hatte man im Krankenhaus, dass bei dieser Methode eventuell nicht alle Lymphknoten radikal entfernt werden könnten. Dieses Argument sei aber nach vielen Veröffentlichungen aus Japan, Italien und den USA „nicht mehr vertretbar”.

Ein weiterer Hinderungsgrund war die Überwindung technischer Probleme; letztere konnten durch die Entwicklung spezieller Instrumente und die Verfeinerung der Operationstechnik überwunden werden.
Kürzlich wurde die erste erfolgreiche Operation dieser Art in der Klinik für Thoraxchirurgie im Klinikum Niederrhein durch Professor Ahmad Boseila durchgeführt. Die betroffene Patientin habe den Eingriff gut überstanden und anstelle des üblichen großen Hautschnittes seien lediglich drei etwa drei cm lange Stiche in der Haut sichtbar, erläutert Chefarzt Professor Andreas Granetzny. Die kleinen Schnitte seien für die Einführung der Kamera und der Arbeitsinstrumente erforderlich gewesen. „Die neue OP-Methode hat neben den kosmetischen Vorzügen insbesondere den Vorteil der geringeren Schmerzen und der kürzeren Verweildauer im Krankenhaus”, sagt der Chefarzt.

Granetzny weist aber darauf hin, dass die minimal-invasive Chirurgie des Lungenkrebses nur bei wenigen Patienten in einem frühen Tumorstadium mit günstigen anatomischen Verhältnissen in Betracht komme und deshalb nach derzeitigem Wissensstand „die Ausnahme” sein werde.